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Sterbefasten: Selbstbestimmt zu Ende leben

Das Sterbefasten kann eine humane Möglichkeit sein, ohne grosses Leiden selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden. Oft ergibt sich ein längeres, bereicherndes Abschiednehmen. Informationen zum «Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit» finden sich auf der Website sterbefasten.org, im Online-Webkurs «Sterbefasten» und im Sachbuch «Sterbefasten».


Dem Sterbefasten liegt jeweils der Entschluss eines Menschen zugrunde, sein Leben vorzeitig zu beenden. palliacura ist grundsätzlich der Meinung, dass die Begleitung Sterbefastender in erster Linie ein Teil der palliativen Pflege ist und somit eine Aufgabe von Angehörigen, von Ärzten und vom Pflegepersonal. Oft fehlen aber den pflegenden Personen und sogar den medizinischen Fachkräften die nötigen speziellen Informationen für die sorgsame und fachkundige Begleitung in der besonderen physischen und psychischen Situation des Sterbefastens.

Thematische Website

Um dieses Wissen vermitteln zu können, hat palliacura vor über zehn Jahren die stetig aktualisierte Homepage sterbefasten.org geschaffen mit einer umfangreichen, öffentlich zugänglichen Dokumentation zum Thema «Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit» (FVNF). Verschiedene Fallbeispiele zeigen, wie individuell das Sterbefasten ablaufen kann. In dem in dieser Ausführlichkeit einmaligen, eigens für die Website erarbeiteten Dokument FAQ sind fundierte Antworten auf ethische, juristische, psychologische, medizinische und pflegerische Fragen rund ums Sterbefasten zu finden. Die FAQ werden laufend aufgrund des neuesten wissenschaftlichen Stands aktualisiert und ergänzt.

Website sterbefasten.org
Sterbefasten: FAQ auf neuestem Stand

Basiskurs Sterbefasten

Einen Überblick über das komplexe Thema Sterbefasten und seine Hintergründe vermittelt auch der neue Webkurs der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Übungen und Reflexionen richten sich an Gesundheitsfachpersonen sowie an Personen, die sich privat mit dem Sterbefasten beschäftigen. Der Kurs ist seit März 2026 online und ist gratis. Die Kurssprache ist Deutsch. Es wird unter anderem mit Kurzpräsentationen, Lektüren und Beiträgen von Expert:innen gearbeitet. Die einzelnen Kapitel:

  • Einführung ins Thema
  • Historische und gesellschaftliche Perspektive
  • Körperliche, psychische und soziale Dimensionen
  • Perspektiven der Sterbewilligen und Perspektiven der Angehörigen
  • Professionelle Begleitung und rechtliche Rahmenbedingungen

Basiskurs: Webkurs ZAHW

Buch «Sterbefasten»

Im renommierten deutschen Wissenschaftsverlag Kohlhammer ist im Herbst 2025 das von palliacura unterstützte Buch «Sterbefasten» in aktualisierter Drittauflage erschienen. Das Buch beleuchtet die Vielfalt der Erfahrungen anhand von 25 ausführlichen Fallgeschichten aus Europa und den USA. Gut lesbare Fachbeiträge, von den Autoren Peter Kaufmann, Manuel Trachsel und Christian Walther auf den neuesten Wissensstand gebracht, vertiefen wichtige Aspekte der Diskussion über den Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (FVNF).

Buch: ISBN 978-3-17-045906-9

Die Publikation ist auch als PDF oder eBook erhältlich.

Mehr dazu: Shop Kohlhammer

Palliativkongress 2025: Informationen zum Sterbefasten

Das Sterbefasten ist in der Schweizer Palliativpflege ein wichtiges Thema und wird sehr pragmatisch gesehen. Mit einem Info-Stand und einem neu gestalteten Flyer gab die Stiftung palliacura Ende November 2025 am Nationalen Palliative Care Kongress in Biel Auskunft zur Frage: «Wo finde ich Informationen zum Sterbefasten?»

Der Zustrom der Besuchenden am Info-Stand Sterbefasten war sehr unterschiedlich. Während der Referate und Seminare war meist eine längere Pause feststellbar. Pflegende aus anderen Sprachregionen waren meist enttäuscht, weil unser Flyer nur in Deutsch auflag. Insgesamt wurden an den zwei Kongresstagen, die mit über 850 Teilnehmenden ausgebucht waren, rund 600 Flyer zum Thema «Wo finde ich Informationen zum Sterbefasten?» verteilt.

Oft fundierte Gespräche

Es ergaben sich öfters fundierte Gespräche. Der Begriff Sterbefasten hat sich in der Schweiz eingebürgert und ist gut bekannt, sogar in der Romandie. Wer sich beruflich intensiver mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, kennt in der Regel auch die Website sterbefasten.org sowie die veröffentlichten Ergebnisse der ZHAW-Arbeitsgruppe von Prof. André Fringer. Deren neuer Webkurs «Sterbefasten», der seit März 2026 online ist, fand Anklang. Pflegende aus verschiedenen Altersheimen und Hospizen berichteten, dass sie sich in Arbeitsgruppen mit dem Sterbefasten auseinandergesetzt hätten und Konzepte erarbeitet wurden oder in Arbeit sind. Grundsätzlich wird das Sterbefasten nicht als Suizid betrachtet, sondern als eine legitime Möglichkeit, selbstbestimmt das Sterben zu verkürzen und das Leben abzuschliessen.

Gelegentlich skeptische Haltung

Wer das Sterbefasten grundsätzlich skeptisch beurteilt, wies meist auf die Möglichkeit hin, dass sich wie bei jedem längeren Sterbeprozess möglicherweise ein Delir ergeben könnte. Tagsüber sei dies für die Institutionen handelbar, da der Heimarzt vorbeikommen und mit einer kurzzeitigen medikamentösen Behandlung die Delir-Symptome kontrollieren kann. Ausserhalb der ärztlichen Praxiszeiten müsse jedoch ein Notarzt gerufen werden, der die Patientin, den Patienten nicht kennt und daher eine Spitaleinweisung verfüge. Dort werde in der Regel sofort eine Infusion gesetzt oder Flüssigkeit zugesetzt, um der Dehydrierung entgegenzuwirken und erst etwas später allenfalls Medikamente gegen das Delir verabreicht. Das Sterbefasten sei damit unterbrochen, der Aufwand (oder auch die Aufregung) für die Sterbenden, aber oft ebenso für die Pflegenden vor- und nachher belastend.

Korrekte Antworten gefunden

In der Folge diskutierte eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern, die seit vielen Jahren zum Thema Sterbefasten forschen, die Einwände aus der Praxis. Nach einem intensiven Mailverkehr wurden zu sechs neuen Fragen korrekte Antworten zu den Themen Delirium und Sedierung formuliert. Einig waren sich alle Experten, dass – anders als beispielsweise beim Alkoholismus – bei Sterbenden eher Verwirrtheiten, denn heftige Delire entstehen. Das selten auftretende Delir und die oft damit verbundene Sedierung muss aber ethisch sehr ernst genommen werden. Die neuen Fragen und Antworten sind bereits auf der Website sterbefasten.org unter den FAQ gegen den Schluss der Rubrik Pflege veröffentlicht.

PETER KAUFMANN