
Bemerkenswerte Erfahrungen mit gutem Sterbefasten
Eine ehrenamtliche Hospizhelferin aus Freiburg im Breisgau hat ihre Erfahrungen mit einem Fall von Sterbefasten im Buch «Letzter Ausweg» festgehalten. Sie beschreibt darin auch spirituelle und esoterische Erfahrungen.
Die Künstlerin und vierfache Mutter Karin Minuth begleitet seit einigen Jahren als freiwilliges Mitglied einer ambulanten Hospizgruppe Menschen beim Sterben. Im Frühjahr 2024 kam sie erstmals mit dem Sterbefasten in Berührung. Das war für sie eine so bedeutsame Erfahrung, dass sie sich später entschloss, diese als Buch zu veröffentlichen. Die Biografie der Autorin (Jahrgang 1956) ist ungewöhnlich: Mit 31 Jahren gründete sie in Freiburg im Breisgau eine Puppenbühne; später benützte sie diese Theaterform auch für psychotherapeutische Zwecke. Sie bildet sich zudem viele Jahre weiter in Bereichen wie Ethik, Yoga und manch anderem, das sich unter dem Begriff «spirituell» zusammenfassen lässt.
Einige spirituelle Aspekte
Dies schlägt sich in ihrem Buch «Letzter Ausweg» nieder, und hieran dürfte sich entscheiden, ob jemand es für die Auseinandersetzung mit dem Sterbefasten den anderen auf den Markt befindlichen Büchern vorzieht oder nicht. Im Buch über 25 Fallbeispiele von Kaufmann, Trachsel und Walther (Kohlhammer, 2025, 3. Auflage) werden keine Berichte über spirituelle Aspekte beim Sterbefasten aufgeführt. Insofern ist das neue Buch etwas Besonderes. Grundsätzlich rational eingestellte Leserinnen und Leser könnten damit jedoch ihre Schwierigkeiten haben: Neben durchaus bemerkenswerten menschlichen Erfahrungen (oft der ganzen Gruppe von Frauen, die sie hier um eine Sterbende kümmerten) ist eben auch so manches zu lesen, das als esoterisch einzuordnen ist.
Ein ganz besonderer Fall
Zum Hergang dieses Sterbefalles seien nur einige Aspekte herausgegriffen, zumal Karin Minuth die Geschichte auch auf Youtube berichtet: Eine 90-jährige, im Kopf noch sehr klare und willensstarke Patientin leidet seit 20 Jahren an Parkinson und möchte nicht als Pflegefall enden. Nach und nach ergibt sich dank nachbarschaftlichen Kontakten die Möglichkeit, die Autorin zur Begleitung eines Sterbefastens zu gewinnen. Diese wiederum bezieht einige andere Frauen mit ein, die sich dieser Aufgabe dann mit grossem Einsatz und voll bejahend widmen. Minuth gelingt es auch, eine Versöhnung der Sterbenden mit ihrer Tochter herbeizuführen. Die letzten Lebenstage sind nicht nur deshalb gut für die Patientin, sondern auch, weil sie physisch wenig zu leiden hat und bis zuletzt ihre lebensphilosophischen Einsichten konkretisieren und niederschreiben kann. Durch den Zuspruch der ganzen Gruppe und deren gemeinsamen – teils feierlichen, teils mehr vergnüglichen – Veranstaltungen gewähren ihr ein besonderes Mass an Geborgenheit im Sterben.
Die am Ende des Buches zusammengestellten Empfehlungen für die Vorbereitung und Durchführung eines Sterbefastens bleiben hinter denen in anderen, grundlegenden Büchern zurück. Eine Literaturliste fehlt. Manche im Video enthaltenen Aussagen wären zu hinterfragen – etwa die, es brächen erwiesenermassen etwa 25 Prozent derer, die ein Sterbefasten beginnen, dieses wieder ab.
CHRISTIAN WALTHER, Marburg
Karin Minuth «Letzter Ausweg», (2025), Books on demand, ISBN 978-3-8192-0790-7
«Begleitung beim Sterbefasten – Karin Minuth erzählt von ihren Erfahrungen», Reihe Gesundheit Aktiv e.V., hier